Terrasse des The Black Swan Beijing mit Blick auf einen angelegten Garten und Teich, Teil des Restaurantmusikprojekts von Music Eye View mit Vianney Massot.

Vianney Massot

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Noch bevor wir Blackswan in Peking besucht haben, gibt uns Vianney Massot freie Hand. Aus der Ferne entwickeln wir drei eigenständige musikalische Ausdrucksformen für das Restaurant, die Library und die Bar. Sie folgen dem Wandel vom leuchtenden Weiß des Tages zur Tiefe des Abends.

Die Hintergrundmusik (BGM, Abkürzung für Background Music) nimmt sich zurück und lässt der Architektur, dem Spiel von Licht und Schatten und Vianneys Küche Raum. Drei Bereiche finden ihre eigene Stimme innerhalb einer gemeinsamen Klangidentität.

© The Black Swan, Chris Shao Studio

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Peking · Gastronomie

Im Blackswan Beijing folgt die musikalische Identität dem wechselnden Licht – vom Tag bis in die Nacht. Das von Küchenchef Vianney Massot geleitete Gourmetrestaurant ist mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Music Eye View hatte freie Hand und schuf drei eigenständige musikalische Welten: für das Restaurant, die Library und die Bar. Die Musik begleitet den Übergang vom Tag zum Abend. Die gemeinsame musikalische Linie reicht bis in die Loong Bar.

Blackswan Beijing

In Peking führt der Weg in Vianney Massots Welt durch ein Museum. Blackswan ist inzwischen mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

Blackswan befindet sich im ersten Obergeschoss des Luo Hong Art Museum. Jenseits der Fenster wandert der Blick in den Garten: Wasser, Bäume, Koi und Schwäne, die am Speisesaal vorbeigleiten. Im Inneren hat Chris Shao den Schwan in Bewegung übersetzt und seine Rundungen zur Formensprache der Räume gemacht.

Am Anfang des Projekts stand Swans, ein Werk von Gary Hume. Durchgehende Linien kreuzen sich, streifen einander und verschlingen sich, bis die Vögel hervortreten. Die Vorstellung einer Form, die sich durch Licht verwandelt, durchzieht Blackswan.

In der chinesischen Kultur steht der weiße Schwan für Reinheit, Würde und Treue; der weitaus seltenere schwarze Schwan verweist auf das Außergewöhnliche. Tagsüber füllt das Licht die Räume, bis das Weiß beinahe unwirklich erscheint. Nachts gewinnen dieselben Linien an Tiefe, die Materialien werden dunkler und das Schwarz entfaltet eine neue Präsenz. Das Restaurant behält seine Form und verändert seinen Zustand.

Diese Bilder ließen uns an Kubrick denken: 2001: A Space Odyssey. Die Verbindung stammt allein von uns; sie hält unseren ersten Eindruck des Ortes fest: makelloses Weiß, weit geschwungene Linien, ein Raumgefühl, das irgendwo zwischen Architektur und Stille zu schweben scheint.

Das Licht gibt der Musik ihren ersten Impuls.

So fern, so nah

Blackswan kam über einen vertrauten Namen zu uns: Joël Robuchon. Vianney Massot war Souschef im La Grande Maison in Bordeaux gewesen. Music Eye View hatte mit La Grande Maison und mehreren anderen Häusern von Robuchon gearbeitet. Schon lange vor Blackswan hatten uns unsere Wege an einige derselben Orte geführt.

Die Musik für Blackswan begann mit einem Akt uneingeschränkten Vertrauens. Seine Küche trägt seine Handschrift; er vertraute darauf, dass wir eine musikalische Signatur für den Ort finden würden. Wir erhielten völlige Freiheit und damit einen anspruchsvollen Auftrag: die Musik so präzise in Blackswan einzubringen, dass sie wirkte, als hätte sie schon immer dorthin gehört.

Alles Weitere nahm aus der Ferne Gestalt an. Stimmen, Bilder und Worte genügten, um die Entfernung zu überbrücken. Vianney ließ uns diese Interpretation bis zum Ende verfolgen und legte die Ausrichtung ganz in unsere Hände. In diesem Vertrauen fand die Klangidentität ihre endgültige Form.

Wenige Tage vor der großen Eröffnung traf die Musik bei den Proben schließlich auf Blackswan. Zum ersten Mal gelangte das aus der Ferne Erdachte in die Räume, ins Licht und in den Rhythmus des Service. Vianney nahm es vollständig an, ohne eine einzige Änderung. Was wir uns vorgestellt hatten, wurde um ihn herum körperlich erfahrbar.

In diesem Moment wurde Musik Teil des Wesens von Blackswan: Sie verband sich mit Licht, Gesten, Aromen und Stille, bis sie zu einer jener Präsenzen gehörte, die den Ort prägen.

Vertrauen nimmt Gestalt an.

Weißer Schwan, schwarzer Schwan

Chris Shao lässt die Präsenz des Schwans durch ganz Blackswan fließen. Sie zeigt sich in den Rundungen, den skulpturalen Decken, den durchgehenden Linien und darin, wie jedes Material das Licht einfängt. Stein, Putz, Samt und Metall bilden eine innere Landschaft – präzise und doch in ständigem Wandel.

Jenseits der Fenster trägt der Garten dieselbe Sprache ins Lebendige. Wasser, Bäume, Koi und die Schwäne selbst führen die Architektur über das Glas hinaus fort. Der Blick wandert vom Material zur Spiegelung, von der Kurve zur lebendigen Präsenz.

Mit den Stunden wandelt sich der Ort erneut. Tageslicht öffnet die Räume, mildert die Oberflächen und lässt das Weiß beinahe unwirklich erscheinen. Der Abend legt sich in dieselben Linien; die Materialien werden dunkler, die Schatten tiefer, und Blackswan wechselt die Tonlage, ohne seinen roten Faden zu verlieren.

Vianney Massots Küche folgt derselben Linie. Auch sie lebt von Präzision, Ausgewogenheit und der Aufmerksamkeit für das kaum Wahrnehmbare. Die Gesten des Küchenchefs, Chris Shaos Materialien und das wechselnde Licht sprechen dieselbe Sprache.

Die Musik musste in diesem Rhythmus ihren Platz finden: die Leichtigkeit bewahren, ohne sie verfliegen zu lassen; mit dem Raum an Tiefe gewinnen, ohne ihn zu beschweren; der Stille Platz lassen und Blackswan dann auf dem Weg vom Weiß ins Schwarz begleiten.

Form wird Bewegung.

Schwerelos

Die Musik von Blackswan nimmt drei Formen an. Das Restaurant orientiert sich am weißen Schwan. Die Bar gehört dem Abend, wenn mit dem schwindenden Licht der schwarze Schwan hervortritt. Die Library, der Chef’s Table, rückt alles näher zusammen: wenige Gäste, Vianney in unmittelbarer Nähe, ein vertraulicheres Gespräch mit dem Ort.

Restaurant

Im Restaurant verleihen Air, Cascadeur und Tao der Electronica eine beinahe schwerelose Qualität. Texturen atmen, Stimmen scheinen ihr Gewicht zu verlieren, der Puls bleibt geschmeidig und lässt Raum um sich. Die Musik führt jenes Gefühl des Schwebens weiter, das wir schon in den allerersten Bildern von Blackswan gespürt haben.

Library

In der Library lenken Goldmund, Philip Glass und Víkingur Ólafsson dieses Schweben hin zum Klavier, zur Wiederholung und zum Raum zwischen den Tönen. Bei nur wenigen Gästen und Vianney ganz in der Nähe wird das Hören intimer; jedes Motiv rückt näher, jede Stille ist deutlicher zu spüren. Die Musik wird sparsamer, fast greifbar.

Bar

An der Bar bringen Freedom Fry, Napkey und Weekend Affair eine unmittelbarere Energie ein. Alle drei gehören einer jüngeren französischen Elektropop-Szene an, die oft auf Englisch arbeitet, und geben dem Abend einen lebendigeren, direkteren Puls. Etwas von Vianneys eigener Kultur klingt darin an, in einem vollkommen gegenwärtigen Sound neu gefasst; der schwarze Schwan gewinnt an Schwung, ohne seine Eleganz zu verlieren.

Nach dem Schwan der Loong.

Von Blackswan zur Loong Bar

In unseren Gesprächen tauchte ein weiterer Name auf: Loong Bar Beijing. Vianney führte uns dorthin.

Mit der Loong Bar wich der Schwan einer anderen Mythologie. Der Loong, der chinesische Drache, wird seit Jahrhunderten mit Macht, Autorität und Glück verbunden. Historisch konnte selbst die Zahl der Krallen einen Rang anzeigen: Fünf wurden dem Kaiser und der kaiserlichen Familie zugeordnet; vier erschienen im Umfeld des Adels und des Hofes; dreikrallige Formen fanden sich in Zusammenhängen, die weiter von der kaiserlichen Sphäre entfernt waren.

Hinter einer Gestalt, die allzu leicht auf das Wort „Drache“ verkürzt wird, liegt eine ganze Sprache aus Zeichen, Rangordnungen, Geschichten und Symbolen.

Diese Symbolwelt wurde unser Zugang. Blackswan hatte uns zu Licht, Weiß und Schwarz geführt, zum Übergang von einem Zustand in einen anderen. Die Loong Bar öffnete eine andere Welt: geprägt von einem Wesen, das mit Himmel und Wasser, Stärke, Macht und Glück verbunden ist, und von einer Bildsprache, in der jedes Detail Bedeutung haben kann.

Dort musste die Musik ihren Anfang nehmen.

Aus dieser Beziehung sind inzwischen zwei Projekte gewachsen. Stimmen, Bilder und Musik haben Tausende Kilometer zwischen Paris und Peking zurückgelegt.

Anderswo beginnt das Hören von Neuem.

„Dem Gast auf möglichst einfache Weise eine möglichst tiefe Erinnerung mitgeben.“

Vianney Massot